Tobias Mittmann / www.jugendfotos.de

Alle Jahre wieder

Die Tage werden kürzer, die Vögel ziehen gen Süden, der erste Schnee fällt und die Weihnachtsdekoration hängt endlich wieder in den Straßen. Die Fenster leuchten festlich, überall riecht es nach Glühwein, Zimt und Lebkuchen, wir kuscheln abends vor dem Kamin und bummeln wieder lange verträumt über romantische Weihnachtsmärkte. Oh, du fröhliche Weihnachtszeit! Es könnte alles so schön sein.

Aber irgendwo zwischen Plätzchen backen und Spekulatiusduft geht die Weihnachtsstimmung irgendwie immer ein wenig verloren und schlägt bei vielen in Stress und in Hektik um.

Und so rennen alle Jahre wieder hunderte gestresste, in fünf Lagen eingepackte Menschen hektisch durch die Straßen, drängen sich wie Pinguine im Kreis um die Glühweinbuden auf den überfüllten Weihnachtsmärkten und motzen sich dann auch noch gegenseitig an, weil man ständig angerempelt wird. Und über den ganzen Schnee, auf den man sich ja sonst angeblich das ganze Jahr so gefreut hat, wird dann auch gleich noch gemeckert. Denn den kann ja eigentlich niemand gebrauchen. Der macht schließlich nur Stau auf den Straßen und nimmt uns noch mehr von unserer eh schon viel zu knappen Zeit weg. Und spätestens im Kampf um das beste Weihnachtsgeschenk gibt es dann bei vielen ohnehin kein Gut und Böse mehr.

Pünktlich zur Weihnachtszeit droht also bei vielen akute Stressgefahr. Überfüllte Kaufhäuser, die 325. Wiederholung von Last Christmas (welche bereits am zweiten Dezember läuft), nervige Verwandte (für die man jeweils einen Termin finden muss, was nahezu unmöglich ist, weil Tante A nicht mit Tante B an einem Tisch sitzen möchte und Opa B nicht einmal mehr das selbe Haus wie Vater betreten möchte) und die verzweifelte Suche nach dem schönsten Weihnachtsbaum mischen sich dann zu einem gefährlichen Vorweihnachtscocktail. Und der führt nur allzu gerne zum Kollaps unterm Weihnachtsbaum. Wenn man denn einen gefunden hat.

Ich habe für diesen Artikel ein bisschen recherchiert und absolut schockiert hat mich eines. Gibt man in Google die Begriffe „Weihnachten und Stille“ ein, so erhält man rund  2.650.000 Ergebnisse. Sucht man aber nach „Weihnachten und Stress“, so sind es 48.800.000. Darüber, wie hoch der prozentuale Unterschied hier ist, muss ich wohl gar nicht sprechen. Weihnachten soll eigentlich ein besinnliches Fest sein. Aber heute hat man oft das Gefühl, dass Besinnlichkeit ein Luxus geworden ist, den wir uns alle irgendwie nicht mehr leisten können.

Für mich ist Weihnachten eine Zeit, in der man wieder ein bisschen näher zusammen rückt und sich mal wieder auf die wesentlichen Dinge konzentriert. Auf die Menschen, die einem ihre Zeit schenken und die eigene dadurch so unglaublich viel schöner machen, zum Beispiel. Weihnachten sollte eine Zeit sein, an der man seine Familie wieder sieht, alle seine Liebsten in den Arm schließt und unter dem Weihnachtsbaum über alte Zeiten lacht. Eine Zeit, in der man Freude und Liebe schenkt, und nicht unbedingt das teuerste neue Spielzeug von allen. Eine Zeit, in der alles ein bisschen ruhiger ist, der Alltagsstress der letzten Wochen plötzlich wie nie da gewesen ist und eine Zeit, in der man sich wieder findet, wenn man sich im Laufe des Jahres schon mal verloren hat.

Da wäre noch Platz unter dem Baum. Vielleicht legen wir dieses Jahr einfach ein bisschen Besinnlichkeit darunter.
Frohes Fest.

Von Nina Leßenich

Nina Leßenich

Ich bin wild, laut und hochprozentig lebendig. Ich bin Freigeist und Ordnungsliebhaber, bin ein Kleinkind, wenn ich lache. Ich sehe die Welt gern mit meinen eigenen Augen. Ich bin widersprüchlich und in mir stimmig, bin gebrochen und geklebt und daran gewachsen. Ich bin Bald-Journalistin, Wortliebhaber und Gedankensammler und ein paar Zeilen zwischen all dem hier. Und deshalb bin ich Down to Mars.

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