J.ORION / photocase.de

Das Monster namens Ernst

Ständig sitzt er da und knurrt. Das Monster namens „Ernst“ begleitet uns auf unserem Weg durchs Leben und macht es uns teils schwer, das Leben zu genießen.

Gut kann ich mich an den Satz erinnern, den ich zur Einschulung oft zu Ohren bekam: „Mit sechs beginnt der Ernst des Lebens.“ Damals half ein bekanntes Kinderbuch, zu verstehen, wer oder was dieser „Ernst“ überhaupt ist. Darin stellt sich ein junges Mädchen den Ernst des Lebens als riesengroßes, grünes Monster vor, das alle ihre Geschenke auffrisst.

Im wahren Leben begleitet uns diese gruselige Kreatur alltäglich. Es graut uns vor den bevorstehenden Klausuren. Brummend zwingt er uns dazu, den Uni Stoff nachzuholen. Er tobt und flucht, wenn wir anstelle der Jobsuche, auf der Suche nach Abenteuer in einem anderen Land sind. Er knurrt, wenn wir nicht unsere Neujahrsvorsätze einhalten, sondern faulenzend auf der Couch Grey’s Anatomy schauen. Dieser Murrkopf ist tatsächlich nicht leise zu kriegen!

Aber warum murrt er überhaupt?

Einen neuen Weg einschlagen, für Prüfungen büffeln, den Ernst des Lebens kennenlernen: All diese Erfahrungen prägen uns. Dank ihnen lernen wir das Leben mit all seinen Facetten kennen und die positiven Dinge lieben. Wir brauchen uns keine Sorgen machen, ob der Weg oder die Entscheidung die wir eingeschlagen haben, richtig ist. Solange unsere Einstellung zum Leben stimmt, hat jeder Weg, jede Entscheidung, etwas Positives an sich. „Es kütt wie es kütt und es hat noch immer jut jejangen“ sagen so schön die Kölsche’ Grundgesetze. Einfach mal das Leben lockerer sehen. Nicht alles so ernst nehmen. Jedes Ereignis hat seinen Grund. Natürlich darf man nicht rein nach der Devise „es wird schon gut gehen“ leben. Ein bisschen Fleiß und Engagement sind eben essentiell. Aber mit einem bisschen mehr Gelassenheit im Leben sieht das große grüne Monster namens Ernst schon viel kleiner und friedlicher aus. Er ist nur durch unsere Vorstellungskraft so angsteinflößend und einschüchternd. In Wahrheit ist er eine gutmütige Gestalt, ein Beschützer, der über uns wacht und uns Orientierung gibt.

Das kleine Mädchen im Kinderbuch lernt Ernst als einen Jungen kennen, der neben ihr in der Schule sitzt. Sie ist erstaunt wie nett er ist und hat keine Angst mehr vor ihm. Sie weiß nun, dass der Ernst des Lebens gar kein Monster ist.
Er grault nicht, er tobt nicht, er ist auch nicht mürrisch. Vielmehr dirigiert er uns. Er hinterfragt und beurteilt und ist kritischer Begutachter unserer Entscheidungen.

Der Ernst des Lebens ist das, was man aus ihm macht.

Von Theresa Aust

Theresa Aust

Theresa ist ganz neu bei uns und stellt sich bald detailliert vor :)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Das gefällt mir