Ein Aachener im Apollo

Das ist an für sich nichts Ungewöhnliches. Doch als der Regisseur und gebürtige Aachener Jan Schomburg gestern seinen Debütfilm „Über uns das All“ vorstellte, war schon einiges anders als sonst.

Nicht nur, weil der WDR da war, sondern auch, weil es seit Neustem feste Sitzplätze im Apollo gibt, was bei manchen Gästen für Verwirrung sorgte. Auf der Suche nach der richtigen Sitzordnung kamen sie automatisch ins Gespräch und es entstand gleich eine lockere, gesellige Atmosphäre im Saal. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ermutigte das Publikum sogar so sehr, dass Jan Schomburg sich nach dem Film kaum vor den zahlreichen und immer tiefer bohrenden Fragen retten konnte.

Doch worum geht es eigentlich in dem 88-minütigen Drama „Über uns das All“? Martha Sabel (Sandra Hüller) lebt glücklich mit ihrem Mann Paul in Köln. Sie wollen gerade ein neues Leben in Marseille beginnen, als Paul sich seins aus heiterem Himmel nimmt. Jetzt erst findet Martha heraus, dass er nicht der Mann war, für den er sich ausgab. Auf der Suche nach der Wahrheit, trifft Martha einen anderen.

Auf mich wirkte der Film echt und lebensnah. Ein willkommener Gegensatz zum Hollywoodfilm, bei dem man das Gefühl hat, dass einem das Selbe passieren könnte. An vielen Stellen dachte ich mir; „ach so läuft das dann also ab“. Zum Beispiel, als der Bestatter der Witwe Martha das „Sargmodell Hannover aus rustikaler Eiche“ empfiehlt. Bereits die ersten Szenen erwecken eine dunkle Vorahnung, doch gleichzeitig sorgt der trockene Humor der Figuren für so manche Situationskomik und brachte das Publikum gestern Abend zum Lachen.

Für Jan Schomburg geht es in dem Film um Projektionen. Um das, was man im Anderen sieht, und wie man sich selbst seine Realität konstruiert. Ein Gast meinte, Hauptthemen seien Freundschaft, Liebe und Kommunikation. „Da stimme ich vollkommen zu, aber das ist ja auch so ziemlich alles, was es auf der Welt gibt“, lachte Jan Schomburg. Dem Regisseur gelang es, den Wissensdurst seines Publikums zu stillen, auch wenn er nach einer Stunde schonungsloser Diskussion ganz schön ins Schwitzen kam. Er war fasziniert von den interessierten Gästen, die wohl so kritisch waren, wie in keiner anderen Stadt, in der er bisher seinen Film vorstellte. „Da kommt man zurück nach Aachen, und einem wird gleich so auf den Zahn gefühlt!“

Der Film erscheint ab dem 15. September im Kino. Schaut ihn euch an!

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