Generation I

Jede Generation hat ihre eigene Ära, die man so schön in Schubladen stecken kann: Die FlowerPowers, Babyboomer, Milleniums – und wir? Sind noch mitten drin! Nur wer sind wir überhaupt?

Man nennt uns „Generation Y“. Die Kinder mit den verständnisvollen und fördernden Eltern. Die Jugendlichen mit unzähligen Möglichkeiten. Die inzwischen jungen Erwachsenen, die so gut ausgebildet wie noch nie die Hoffnung unseres Landes sind. Und doch so überfordert, bindungsunfähig, politikverdrossen und planlos. Wir wollen immerzu mobil sein, spontan, flexibel. Wir wollen Spaß haben, keine Verantwortung. Wir glauben, wir wären etwas besonderes und wollen für unseren Erfolg nicht mehr arbeiten. Überhaupt messen wir Erfolg in Resonanz auf sozialen Netzwerken und nicht mehr in realem Einfluss. Wir trauen uns nicht, uns große Ziele zu setzen, aus Angst zu versagen.

Ich gehöre zu dieser Generation. Ich und mein gesamter Freundeskreis, meine Studien- und einige meiner Arbeitskollegen. Aber ich zähle mich nicht zu dieser oben beschriebenen Gruppe. Überhaupt treffen diese genannten Punkte auf einen sehr geringen Prozentsatz dieser Generation Y zu, die ich kennengelernt habe. Ich weiß nicht wer diese Menschen sind, die in zahllosen Artikeln und Medien beschrieben werden. Ich habe viele überforderte Menschen getroffen und sie gehörten zu allen Altersstufen. Ich finde es ziemlich unbedenklich, dass wenige Menschen in meinem Freundeskreis verheiratet sind – verdammt, meine Generation ist jung, wir brauchen die Heirat nicht mehr um unseren sozialen Stand zu festigen, warum also sich nicht Zeit lassen? Warum bedeutet das, dass wir bindungsunfähig sind?

Auch wenn es vielleicht vielen Erwachsenen derzeit so scheint – die Welt ist auch heute kein Zuckerschlecken. Ja, wir haben keinen Krieg und dafür sind wir dankbar. Aber uns wurde auch nicht gerade das beste Marktsystem und die stabilste Wirtschaft hinterlassen. Trotzdem kenne ich sehr viele talentierte, kluge und ehrgeizige junge Menschen, die gerade jetzt das Beste daraus machen. Ich bewundere meine Generation. Dafür, dass sie nicht an alten Statussymbolen festhält, sondern hoffentlich die Generation der Energiewende wird. Dafür, dass wir einige Dinge eben einfach anders machen, als von uns erwartet wird. Unsere Rebellion gegen unsere Eltern ist eine leise, denn wir machen nicht das, was unsere Eltern nicht wollen. Wir machen, was wir wollen.

Von Sonja Rattay

Sonja Rattay

Sonja studiert Communication and Multimedia Design in Aachen und ist nebenbei als Mediendesignerin tätig. Für Down to Mars.tv kümmert sie sich mit um Kamera und Schnitt und natürlich neuen Input in Form von Specials und Artikeln.

Ein Kommentar

  1. Aber es ist das Zeichen der Generation X – und übrigens vermutlich wie jede Generation vor ihr – über den Niedergang der Jugend und den Untergang des Abendlandes zu wehklagen, weil … Ja, weil letztlich die nachfolgende Generation auch nicht anders ist, als sie selbst waren. Nur mit anderen technischen Mitteln, nur mit anderen sozialen Gegebenheiten. Wahrscheinlich haben die, die da klagen, nur vergessen, wie sie ihre formativen Jahre verbracht haben.

    The more things change, the more they stay the same.

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