Juliane Schwabenbauer - www.jugendfotos.de

Keine trüben Herbstgedanken

Gerade noch haben uns die letzten Sonnenstrahlen auf der Nase gekitzelt, während wir unsere Füße ins warme Meer gesteckt haben und plötzlich ist er da: Der Herbst.

Und da nun schon Herbst ist, ist ja fast schon Weihnachten. Also ist das Jahr doch eigentlich schon wieder rum, oder? Wird es nicht Zeit, sich zu fragen, was man an Silvester macht?

Jedes Jahr beobachte ich das selbe Phänomen in meinem Freundeskreis. Wenn die Tage kürzer werden, werden die Gesichter gleichermaßen länger und während uns die Kälte in die Körper kriecht, schleicht sich bei vielen gleich der Trübsinn in die Seele.

Der Herbst hat also ein ganz entscheidendes Problem und das heißt, wie ich neulich lernen durfte, „wintimacy“. Eine charmante Mischung aus winter, intimity und security. Vertrautheit und Geborgenheit? Klingt eigentlich gar nicht schlecht. Leider führt diese „wintimacy“ nur allzu oft dazu, dass meine Freunde sich zu Hause verkriechen, die Couch zur neuen In-Location deklarieren und dem Leben „da draußen“ erst einmal Lebewohl sagen. Weiteres Problem: Wer mehr zu Hause bleibt, hat mehr Zeit zum Nachdenken. Darüber, dass man in der kuscheligen Jahreszeit gerade leider Single ist. Über den Arbeitsstress. Darüber, wie schnell das Jahr vorbei war, und überhaupt über alles, das irgendwie schlecht läuft. Kein Wunder, dass der Herbstblues sich bald ganz von alleine einstellt. Und ganz plötzlich alle darüber meckern, was für eine hässliche Jahreszeit der Herbst doch sei und dass sie eigentlich keine Lust auf nichts mehr haben.

Nun kann man den Herbstblues natürlich ausgiebig zelebrieren, die Tage bis zum ersten Schnee lustlos hinter sich bringen, indem man möglichst häufig unter der Bettdecke verschwindet und sich höchstens zum Frusstfressen aufrafft. Das sind übrigens oft genau die Freunde, die dann im Frühjahr auch wieder meckern, weil die erwünschte Bikinifigur sich noch irgendwo unter dem Winterspeck versteckt. Ganz ehrlich Freunde: Muss das sein?

Im Herbst gibt es vielleicht mehr schöne Dinge zu unternehmen, als im ganzen Rest des Jahres. Das Licht wird wärmer, die Farben der Natur leuchten wie ein kleines, alltägliches Feuerwerk und laden uns zu langen Herbstausflügen ein. Ich freue mich auf lange Spaziergänge im bunten Herbstlaub, auf kindisches Hüpfen durch Regenpfützen und auf völlig durchnässte Kleidung vom unerwartetem Regen. Im Herbst kann ich meine Lieblingsmütze wieder tragen, ohne dass ich lächerlich aussehe, weil es eigentlich 25 Grad sind und ich kann Tee trinken. Und zwar so viel ich will und ganz ohne dafür krank sein zu müssen. Ich kann endlich alle Bücher lesen, die ich im Sommer nicht gelesen habe. Ich kann Drachen steigen lassen und dabei durchs Feld laufen, wie ein kleines Kind. Und mir dabei den Wind durch die Haare wehen lassen.
Museum, Kino, DVD-Abend – alles, was man sich im Sommer verkniffen hat, um den letzten Sommertag nicht zu verpassen, ist jetzt absolut legitim.

Leute – was euch fehlt, wenn ihr in euren Bett-Palästen versinkt, sind Sonne und Lebensfreude. Die gibt es auch im Herbst. Ihr müsst nur unter euren Decken hervorkriechen und euch vor die Haustüre wagen. Die Welt ist gerade wunderschön, in diesen sanften Farben.

Ich jedenfalls gönne mir eine neue Herbstjacke, ein paar mollig warme Stiefel und mache mir eine Herbst-Checkliste. Drachen steigen lassen, Kastanien sammeln, Feuerzangenbowle, Laub aufwirbeln. Und wenn ich weiß, dass ich all diese wunderbaren kleinen Dinge, die nunmal nur im Herbst möglich sind, gemacht habe, dann. Dann kann auch ich Kakao kochen, mich ins Bett kuscheln und dem Regen beim Fallen zuschauen, während ich mit euch über die Welt philosophiere. Den ein oder anderen Abend. Vielleicht auch einen mehr. Denn auch das darf man im Herbst- aber bitte nur von Zeit zu Zeit. Immerhin verpasst man keinen Tag im Freibad mehr.

Von Nina Leßenich

Nina Leßenich

Ich bin wild, laut und hochprozentig lebendig. Ich bin Freigeist und Ordnungsliebhaber, bin ein Kleinkind, wenn ich lache. Ich sehe die Welt gern mit meinen eigenen Augen. Ich bin widersprüchlich und in mir stimmig, bin gebrochen und geklebt und daran gewachsen. Ich bin Bald-Journalistin, Wortliebhaber und Gedankensammler und ein paar Zeilen zwischen all dem hier. Und deshalb bin ich Down to Mars.

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