Liebe Generation, wir müssen reden

Wenn das Smartphone wichtiger wird als der Gesprächspartner, setzen wir womöglich unsere Prioritäten falsch. Martin macht sich auf die Suche nach der verlorenen Höflichkeit.

“Beep-Beep, Beep-Beep”, tönt es mir entgegen, als mein Gegenüber das Verlangen nach Aufmerksamkeit seines ständigen Begleiters mit einem reflexartigen Wisch über das Display stillt. Ich suche schon gar nicht mehr nach einem entschuldigenden Blick und stopfe mir resignierend ein weiteres Stück Pizza rein. “Sorry, das war Katharina, da musste ich rangehen. Hat abgesagt.”

Liebe Generation, wir müssen reden. Der Siegeszug des Smartphones scheint inzwischen mit einer Entwertung jeglicher Form von Höflichkeit einherzugehen. „Früher war alles besser“, schimpft dazu der Wutrentner. Und hat damit vielleicht gar nicht so unrecht. Ist es wirklich so spießig, zu erwarten, bei einem Essen zu zweit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen? Aber dabei nicht links liegen gelassen zu werden, weil es mal wieder eine neue Notification gibt? Und sind wir schon so weit, uns schämen zu müssen, weil wir dies in Frage stellen?“

Mal ehrlich. Wie viele Verabredungen in den letzten Wochen wurden euch kurzfristig abgesagt oder einseitig verschoben? Respektvoller Umgang miteinander geht anders. Die eigenen Launen (“Keine Zeit, keine Lust, voll verplant”) werden über alles andere gestellt und der Mensch gegenüber dabei komplett ignoriert.

Seitdem man einander auch kurzfristig erreichen kann, hat die persönliche Begegnung einiges an Wert verloren. Weil jeder jederzeit überall erreichbar ist, ist niemand mehr nah.

Wie viele eurer 378 Facebook-Freunde habt ihr zuletzt mal wieder von Angesicht zu Angesicht gesehen? Eben! Gerade deshalb ist es so schön, live und in Farbe zusammenzukommen, einen Kaffee zu trinken und alle anderen 377 Freunde einfach mal ein Stündchen außen vor zu lassen und gepflegt zu ignorieren. Wir alle wissen, wie schwer genau das ist, aus “nur mal eben kurz checken” wird “nur noch diese eine SMS zu Ende tippen” und “diese E-Mail muss noch fix raus”. Wie wichtig einem sein Gegenüber ist, kann man 2013 am besten dadurch zeigen, wie wenig man gleichzeitig mit anderen kommuniziert. Eine Art invertierte Kommunikationsfähigkeit.

Lasst uns diese trainieren!

Von Martin Knorr

Martin Knorr

Moin moin, Martin mein Name, begeistern meine Mission. Ich bin leidenschaftlicher Momente-Festhalter und immer auf der Suche nach dem Schönen. Meist bin ich nach innen lauter als nach außen und platze vor Ideen. Ich bin gleichzeitig perfektionistisch und blühe auf im Chaos. Ich bin ein Teilzeit-Scherzkeks – mit rumgetränkter Schokolade. Ich glaube an das Gute im Menschen und bin deshalb Down to Mars.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Das gefällt mir