Mariesol Fumy • jugendfotos.de

Neujahresmüdigkeit

Das neue Jahr ist bald schon wieder drei Wochen alt. Die Nacht, in der man sich gegenseitig gute Vorsätze versprochen hat, fühlt sich hingegen so viel weiter weg an. Ebenso Weihnachten, die Feiertage, die Zeit mit der Familie. Keine Woche hat es gedauert und ich bin wieder versackt, in Uni und Arbeit. Gibt es ein Wort dafür? Einen Namen für die Zeit nach dem Aufbruch? 

Wenn die Motivation wieder verpufft und man realisiert, dass die Entspannung nur eine Ablenkung war. Eine Tünche über der Spannung in den Gedanken und Hirnzellen, die sich mit ein paar Tagen Ortswechsel und reichhaltigerem Essen nicht so einfach abschütteln lässt. Es fühlt sich mehr nach einem schnellen Luftschnappen an, als nach einem tiefen Luft holen.

Geht es nur mir so? Ich glaube, man nennt es Neujahresmüdigkeit. Ich habe doch das Alte gerade erst hinter mich gebracht, wie kann ich da jetzt schon wieder ins Neue starten? Ich fühle mich zerrissen zwischen dem Bedürfnis nach vorn zu stürmen und gleichzeitig den Kopf in den Sand zu stecken. Vielleicht ist es auch einfach nur eine Winterdepression, denn hier in Malmö ist es beständig grau und matschig. Man hat das Gefühl, die Sonne vergisst ganz einfach aufzugehen. Und eigentlich kann ich mich auch nicht beklagen, ich habe genug Zeit für mich und meine Gedanken.

Vielleicht ist auch gerade das das Problem. Meine Gedanken. Andere machen sich abschließende Gedanken für das Jahr vor Silvester. Ich habe das Gefühl, ich hinke da ein bisschen hinterher. Bis Silvester war ich im Stress, um alle meine Freunde und Familienmitglieder zu sehen. Das Los einer, die ihren Freundeskreis weit verstreut hat und in einer Patchworkfamilie lebt. Und sind die freien Tage vorbei, habe ich das Gefühl, ich brauch jetzt erst mal Urlaub. Urlaub vom frei haben quasi. Aber ohne Arbeit. Ja, ich realisiere, das ist ein Widerspruch in sich. Wenn alles wieder vorbei ist, ich wieder an meinem Schreibtisch sitze und sich eigentlich nichts verändert hat – realisiere ich genau das.

Es hat sich nichts verändert. Der innerlich groß angekündigte Neuanfang hat sich nicht eingestellt. Nicht, dass ich irgendwelche Vorsätze gehabt hätte, damit habe ich schon vor ein paar Jahren aufgehört. Aber zumindest ein neuer Schwung Energie und Motivation wäre schön gewesen. Ich schätze, in solchen Situationen hilft nur eins – sich festbeißen. Durchhalten, trotzdem weitermachen und auf den Moment warten, wenn die Liebe wieder kommt. Die Liebe zum Job, zum Studium, zu was auch immer einen gerade gefangen hält. Schließlich habe ich mich hierzu entschieden, freiwillig, und ich werde schon meinen Grund gehabt haben. Und ich werde ihn wiederfinden, doch bis dahin muss ich mir und meinen Entscheidungen vertrauen. Und ein bisschen Geduld mit mir haben, schließlich können wir nicht dauerhaft 100 Prozent geben. In diesem Sinne – wenn auch viel zu spät, denn wie gesagt, ich bin dort noch nicht angekommen – ein gutes, vielleicht etwas entspannteres, 2014.

Von Sonja Rattay

Sonja Rattay

Sonja studiert Communication and Multimedia Design in Aachen und ist nebenbei als Mediendesignerin tätig. Für Down to Mars.tv kümmert sie sich mit um Kamera und Schnitt und natürlich neuen Input in Form von Specials und Artikeln.

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