"Sarah Brunner" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)

Plädoyer gegen Perfektion

Ich bin ungeduldig, verfalle zu schnell in Worst-Case Szenarios und schlage schon mal den falschen Ton an, ohne es zu merken. Ja, ich habe Schwächen. Und ja. Ich mag mich trotzdem. Es gibt sogar andere Menschen, die mich trotz oder gerade wegen meiner Schwächen mögen.

The Pursuit of Perfection

Als am 4. Juli 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde, sollte diese in ihrer Präambel den „Pursuit of Happiness“ beinhalten. Das Recht, nach seinem persönlichen Glück zu streben, erscheint durchaus als wertvoll. Würde man die Unabhängigkeitserklärung im Jahr 2014 aktualisieren und sich dabei an den Werten der Gesellschaft orientieren, müsste man das Bestreben nach Glückseligkeit jedoch durch das Bestreben nach Vollkommenheit ersetzen.

In unserer heutigen Leistungsgesellschaft ist der Zustand der „Perfektion“ zu einem heiligen Gral geworden. „Perfekt“ zu sein wird der einzige Schlüssel zu Erfolg, Wohlstand und gesellschaftlichem Ansehen. Schwächen? Ausschlusskriterium.

Kohärenz von Stärken und Schwächen

Dabei hat jeder von uns beides: Stärken und Schwächen. Es klingt banal, doch es ist erstaunlich, wie viele von uns diese Wahrheit heute vergessen.

Dabei sind Schwächen alles andere als ein Ausschlusskriterium. Sie bedeuten nicht, dass wir schlechter oder minderwertiger sind. Letztlich sind es vielleicht sogar besonders unsere Schwächen, die unseren Charakter prägen und uns zu den Menschen machen, die wir sind. Jeder Mensch hat Schwächen. Auch ich. Warum sollten wir uns dafür schämen?

We are perfect in our imperfection

Seine Schwächen zu akzeptieren ist die grundlegendste Basis für ein gesundes Selbstvertrauen. Schwächen sind das, was uns als Menschen einzigartig macht.

Wie würde wohl eine Welt aussehen, in der wir alle perfekt sind? Eine Welt, in der niemand mehr einzigartig ist? Eine Welt, in welcher der nette Typ von gegenüber uns nicht mehr mit seinem nervösen Stottern verzaubert und wir unsere beste Freundin nicht mehr für ihre viel zu ehrliche Meinung lieben? Alles andere als perfekt, oder?

Niemand kann nur Stärken besitzen. Und die Welt wäre ein schrecklich langweiliger Ort, wenn das anders wäre. Und nicht zuletzt deshalb können wir uns unsere Schwächen problemlos verzeihen und sie akzeptieren. Ich habe eine  gute Nachricht für euch alle: Wir dürfen uns so mögen, wie wir sind! Mit all unseren Stärken und Schwächen.

Das ist nicht leicht, werden jetzt einige von euch sagen. Sich Schwächen einzugestehen. Fehler zuzugeben. Ist es aber, wenn man einmal verstanden  hat, wie einzigartig und liebenswürdig unsere Schwächen uns machen können.

An seinen Schwächen wachsen

Seine Schwächen zu akzeptieren soll aber natürlich nicht heißen, dass man sich nicht mehr persönlich weiterentwickeln soll. Vielmehr ist Selbstakzeptanz eine grundlegende Voraussetzung, um überhaupt an sich arbeiten zu können. Um einen der ältesten Texte der Welt zu zitieren: Gerade wenn wir schwach sind, sind wir stark.

Und genau diese Art von Stärke brauchen wir, um uns weiterzuentwickeln und in die Zukunft zu blicken.

Ich würde mir wünschen, dass der Großteil der Gesellschaft sich mal wieder locker macht und über Schwächen lacht, statt sich über sie zu ärgern und an sich zu zweifeln. So wie ich inzwischen über meine hysterischen Anfälle lache, wenn etwas Unerwartetes meine Planung über den Haufen wirft. Ihr glaubt gar nicht, wie befreiend es sein kann, wenn dann der Perfektionsdruck von euch abfällt!

Lasst uns in Zukunft einfach dankbar sein, für die vielen Eigenheiten, Macken und Fehler, die uns in anderen Menschen und in uns selbst begegnen – sie machen unser Leben lebenswert!

 

P.S.: Was wir von Down to Mars sonst so über Schwächen denken erfahrt ihr übrigens in den kommenden Tagen.

Von Nina Leßenich

Nina Leßenich

Ich bin wild, laut und hochprozentig lebendig. Ich bin Freigeist und Ordnungsliebhaber, bin ein Kleinkind, wenn ich lache. Ich sehe die Welt gern mit meinen eigenen Augen. Ich bin widersprüchlich und in mir stimmig, bin gebrochen und geklebt und daran gewachsen. Ich bin Bald-Journalistin, Wortliebhaber und Gedankensammler und ein paar Zeilen zwischen all dem hier. Und deshalb bin ich Down to Mars.

4 Kommentare

  1. Danke Nina, dass du diesen Gedanken aufschreibst, über den viele nachdenken. Leider ist er schwer umzusetzen, aber wenn schon einmal der Wille da ist… ;)
    LG aus Hamburg
    Manu

  2. Nina Leßenich

    Hallo Manu!
    In erster Linie wollte ich Mut machen und zeigen, dass man nicht alleine ist mit seinen Schwächen. Und das es eben auch gar nichts schlechtes ist! Und du hast Recht – da ist der gute Wille wohl der erste Ansatzpunkt.
    In den kommenden Tagen gibt es übrigens noch ein Video zu dem Thema, in dem wir mal als gute Beispiele voran gehen… ;-)
    Beste Grüße aus Aachen!

  3. Ein schön geschriebener Text! Ich finde es wichtig, immer wieder mal daran erinnert zu werden, dass Schwächen völlig in Ordnung und zu mir als Person gehören und mich eben auch ausmachen. Es git einfach zu viele Momente, in denen ich oder auch andere(noch) zu oft an mir/sich selbst zweifel/n.
    Danke also für den Anstoß,öfter mal über seine Schwächen zu lachen und es nicht zu schwer zu nehmen:)
    LG Hanna

  4. Pingback: Schwächen bekennen | Down To Mars

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