"Hanna Oehring" / www.jugendfotos.de

Sommerherz

Eigentlich ist Sommer eine Jahreszeit, die drei Monate dauert. Die Sommerzeit gilt sogar ganze 7 Monate im Jahr. Zumindest theoretisch. In Deutschland ist der Sommer gerade eher ein punktuelles Event mit einer Niederschlagsrate, die problemlos mit tropischem Zenitalregen mithalten kann. Trotzdem ist das kein Grund für schlechte Laune, denn Sommer ist viel mehr als Wetter.

Wir alle haben sie in den vergangenen Wochen oft genug gehört. Die „Ich hoffe er fällt dieses Jahr auf einen Samstag“-Witze über den Sommer. Oder eben über das, was gerne ein Sommer wäre. Zugegeben: Verschwitzte 30°C und überfüllte Freibäder haben wir in den letzten Wochen in Deutschland kaum erlebt. Und auch den Grill haben wir nicht so oft angeschmissen, wie geplant. Verständlich, dass manch einer da schlechte Laune bekommt und anfängt zu meckern. Aber besser wird es davon nun mal auch nicht.

„Sommer ist was in deinem Kopf passiert“, dröhnte es neulich aus meinen Autolautsprechern. Während es gerade wieder aus Eimern auf mein Autodach hämmerte. Zum Heulen, dachte ich im ersten Moment. Bis ich mich gefragt habe, wieso eigentlich. Ist Sommer nicht viel mehr, als feste Daten im Kalender oder gutes Wetter? Ist Sommer nicht eigentlich keine Jahreszeit, sondern vielmehr ein Gefühl? Eines, das sich vom Herzen über den ganzen Körper ausbreitet und uns kribbelig macht?

Der Sommer macht doch vor allem eins: Uns nach all den kalten Monaten wachrütteln und uns wieder vor die Türen treiben. Sommer sorgt dafür, dass wir mit den besten Freunden wieder zu kühlem Bier in Strandbars, Biergärten und zu Open-Air-Veranstaltungen ziehen. Sommer macht, dass das Leben wieder draußen stattfindet. Und das doch auch ganz ohne Sonne. Oder bleibt ihr beim lang erwarteten Festival zuhause, nur weil es regnet?

Selbst wenn es vielleicht nur ein paar wenige Sonnenstrahlen sein mögen, die wir gerade genießen können, sollten wir diese nutzen. Ich jedenfalls verbanne nun meine dicken Klamotten aus dem Schrank und werfe mich in mein Sommerkleid – aus Prinzip.

Ich will diese Zeit genießen, in der alles irgendwie unglaublich ist. Mich beeindrucken und fesseln lassen. Ich will mich voll und ganz in etwas verlieren und dann ganz darin aufgehen. Ich will kribbelige, warme Sommergefühle hinterlassen und ein Lächeln auf fremde Gesichter zaubern. Und mich dann selbst davon anstecken lassen. Ich will springen – ins Meer, ins Leben und geradewegs hinein in schlecht durchdachte last-minute Ideen. Ich will pures, momentverbundenes Sommerglück. Ohne wenn und aber. Nur hier und jetzt.

Es wird wieder Zeit bei offenem Fenster zu schlafen und sich dabei an Urlaub und schwüle Kindheitssommernächte zu erinnern. Auch wenn wir die Nachbarn dabei manchmal besser kennen lernen, als erhofft. Aber auch das ist Sommer: Fremden Gesprächen lauschen, bevor man einschläft. Bis uns die Vögel in den frühen Morgenstunden wecken.

Lasst uns endlich den Winterkopf ausschalten und das Sommerherz wieder zum Brennen bringen. Um dann bei offenen Fenstern im Auto ganz Klischee-mäßig zu brüllen: „Das wird der Sommer unsres Lebens“!

Von Nina Leßenich

Nina Leßenich

Ich bin wild, laut und hochprozentig lebendig. Ich bin Freigeist und Ordnungsliebhaber, bin ein Kleinkind, wenn ich lache. Ich sehe die Welt gern mit meinen eigenen Augen. Ich bin widersprüchlich und in mir stimmig, bin gebrochen und geklebt und daran gewachsen. Ich bin Bald-Journalistin, Wortliebhaber und Gedankensammler und ein paar Zeilen zwischen all dem hier. Und deshalb bin ich Down to Mars.

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